Das soziale Netzwerk hat seine Unschuld verloren

Soziale Netzwerke teilen harmlos – oder doch nicht?

Erst neulich war wieder ein Hilfeschrei eines Users in einem sozialen Netzwerk zu lesen “ Hilfe, ich will diese verstümmelten Ekelbilder nicht mehr sehen!“ Einige werden es sich jetzt einfach machen und sagen Aufklärung ist wichtig! Und oft hörte ich schon: „Die Dame ist selber schuld wenn sie sich in einem Netzwerk anmeldet!“

Am Anfang war nur der Grundgedanke dieser Netzwerke, mit Freunden in Kontakt zu bleiben und neue kennenzulernen, um Dinge des Alltags zu tauschen, wie Nachrichten oder Fotos.

Nun frage ich Sie, schicken Sie einem Freund Fotos von einem blutigen Opfer? Vermissten, Bilder oder gequälte Tiergesichter? Vielleicht per E-Mail am Geburtstag oder wenn er gerade vor dem PC sitzt zur Essenszeit?

Ich versuchte neulich verzweifelt mit jemanden, der solche Fotos weiterverbreitet ohne diese selbst fotografiert zu haben zu sprechen per Chat. Dabei musste ich immer wieder die gleichen Argumente hören:

“ Aufklärung ist wichtig“

“ alle sollen das sehen“

Ich frage mich dann denken diese „Freunde“ und „Weiterverbreiter“ eigentlich ein Stück weiter als nur vor ihre eigene Haustüre? Oder sind sie allein schon von einem Klick befriedigt und denken sich „, ich hab ja was gemacht, ich bin ein guter Mensch!“

Machen sich auch diese Leute Gedanken das in diesen Netzwerken auch mal zarte Kinder- oder Erwachsenenseelen sitzen vor den Rechnern, die selber ihr privates Päckchen zu tragen haben? Was weiß ich eigentlich über meinen Internetfreund? Wie weit kann ich gehen, und was mag er nicht?

Tierfreunde gehen oft zuweit!

Oder klickt man Freunde einfach dauerhaft weg, wenn sie nicht mit einem die gleiche Meinung teilen? Früher diskutierte man das aus von Gesicht zu Gesicht, wie ist es heute?

Spendenaufrufe mit Kindergesichtern

Oder fragen sich solche Fotoeinsteller, wer der Fotograf dieses Bildes ist? Oder was eigentlich wirklich für ein Schicksal hinter einem Foto ist? Warum wird nie der Name des Fotografen angezeigt? Wenn er nur Gutes will, kann er doch mit seinem Namen zudem stehen, was er fotografiert hat. Oft sind es nur Fotomontagen, die an unser Mitleid wollen, oder Kampagnen, die gezielt von Firmen verbreitet werden, Mitleid für ein so krankes Kind, das in Wirklichkeit gesund ist. Es wird so retuschiert, das Menschen am PC anfangen zu weinen.

Mit solchen Fotos und Videos, die uns erzürnen lassen oder zum Weinen bringen, wollen oft Firmen nur Konkurrenten ausschalten oder man möchte nur an unser Geld für irgendwelche Spenden von dubiosen Organisationen. Schlimmstenfalls sind es Datensammler, die durch jeden Klick Daten von uns erhalten.

Auch ein weiterer Gedanke treibt mich um.

Wollen eigentlich die Kranken und nicht entstellten Menschen eigentlich, dass sie so fotografiert werden? Was sagen die Eltern oder Betreuer dazu? Möchtest du so fotografiert werden?

Wie soll man sich um all diese Opfer kümmern? Ein weiterer Gedanke, der einem durch den Kopf geht.

Ich denke, ich habe schon Hunderte von Fotos geteilt, weitergeleitet mit Tieren, die ein neues Zuhause suchen oder Vermissten. Dabei prüfe ich jedes Mal den Hintergrund, bevor ich diese Bilder poste. Es ist auch ein einfaches für einen normalen Menschen, einmal in eine Suchmaschine zu gehen um zu schauen, wo her kommt dieses Bild. Einfach nur Mal nachsehen und neugierig sein. Sofort kommen Informationen, die einen überraschen werden. Testen Sie einmal sogenannte Wayback Maschinen, sie kann bis zum Urheber zurückgehen. Allein schon was das Urheberrecht angeht oder sie sehen, dass das Originalfoto ganz anders aussieht als das geteilte.

Es gibt zu viel Leid, warum kümmern wir uns nicht um die Sachen in unserer Nachbarschaft? Ein geschlagenes Kind, misshandelte Hund? Behinderter Erwachsener, der sich über einen Einkauf freut? Warum kaufen wir billig, wenn Mensch und Tier drunter leidet?

Mit den Teilen/Weiterleiten solcher Fotos machen wir es uns einfach. Meinen so zu helfen, aber fährt jemand nach Spanien und hilft dort einer Kreatur aufgrund eines Fotos? Die wenigsten denke ich.

Auch ich bat vor ein paar Wochen um Hilfe in einem dieser Netzwerke, in denen ich weit über 170 reale Kontakte zu Menschen hatte, die ich privat persönlich kannte. Ich fragte sie, ob sie Zeit hätten, Bestätigungen gab es genug. Hilfe gab es keine! Und es war nur ein Test, denn es ging nur um eine simple Tasse Kaffee zu trinken.

Ich möchte nicht schimpfen mit meinem Text, sondern nur zum Denken anregen, was wir da eigentlich tun!

(c) Text und Idee wie immer http://www.chaosreporter.de

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2 Responses to Das soziale Netzwerk hat seine Unschuld verloren

  1. Ulrike sagt:

    Ein paar gute Gedanken! Ich kann nur zustimmen!

  2. Tim sagt:

    Es regt zum Nachdenken an. Und ich muss dir mit der Aussage aus dem Text vollkommen Recht geben.

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