Wenn man Menschen in meinem Umkreis zum Thema Gewinnspiele befragt, sagen viele Leute: „Ja, ich bekomme doch was geschenkt!“, aber genau hier sollte man genauer darüber nachdenken.
Ab und zu machte ich in jüngeren Jahren bei Gewinnspielen mit,
freute mich auch, wenn ich etwas bekam, doch irgendwann machte ich mir Gedanken über Gewinnspiele und wie das Ganze von Dritten ausgenutzt wird. Dies fiel mir besonders bei einem Preisausschreiben einer Boulevardzeitung für Frauen auf, die jeder vom Kiosk her kennt.
In den AGBs des Gewinnspiels hieß es, Daten würden nicht an Dritte weitergegeben.
Ich nahm also eine Postkarte mit Kirsch-Motiv aus meinem Briefpapierfach zur Hand, schrieb eifrig das Lösungswort eines Rätsels und meinen Absender auf die Karte, frankierte diese ausreichend und warf sie in den Briefkasten.
Vier Wochen später kam ein Anruf: „Sie haben gewonnen!“.
Ich hätte im Sommer-Preisausschreiben gewonnen, nur wurde ich nun stutzig und fragte mich, woher die Leute bei der Zeitung meine Telefonnummer hatten? Die Festnetznummer war weder im Telefonbuch noch auf meiner eingesandten Karte. Die Dame die mich anrief, war sehr fröhlich. Ich hinterfragte, von welcher Zeitung sie wäre?
Nach und nach bekam ich heraus, dass es nicht um den Gewinn ging,
sondern um sogenannte Kaltakquise – die Dame wollte mir nur ein Abo aufzwingen. Lest selbst aus meinem Gedächtnisprotokoll:
Chaosreporter Manuela: „Woher haben Sie meine Telefonnummer?“
Telefonistin: „Von der eingeklebten Postkarte aus dem Heft, dort mussten Sie Ihre Nummer eintragen!“
Ich: „Nein, da muss ich Sie enttäuschen. Im Heft war eine Karte mit Modell, ich schickte aber eine selbstgekaufte mit Kirschmotiv ein, ohne meine Telefonnummer darauf zu notieren!“
Telefonistin: „Sie sind bei uns als Abonnentin in unserem Verzeichnis gespeichert.“
Ich: „Ich habe kein einziges Abo abgeschlossen, ich habe einen Kiosk in der Nähe!“
Telefonistin: „Ihre Cousine gab uns Ihre Nummer, weil Sie nicht im Telefonbuch stehen.“
Ich: „Da besitzen Sie ja etwas an krimineller Energie ein Nachforschungsteam. Und was wollen Sie jetzt wissen? Warum können Sie mir den Gewinn nicht einfach zusenden, Sie haben ja meine Adressdaten?“
Telefonistin: „Wir bräuchten da noch ein verbindliches ‚Ja‘ auf unserem Tonband, dass Sie den Gewinn annehmen.“
Ich: „Mache ich nicht. Warum brauchen Sie das Wort auf dem Tonband?“
Telefonistin: „Wir würden Ihnen so gerne Ihren Gewinn zuschicken und dazu drei kostenlose Ausgaben einer der Zeitungen unseres Verlags, die ich Ihnen hier nenne …“
Ich sagte der Dame, ich wolle den Gewinn nicht,
sie solle mich aus der Telefonnummernliste streichen, und ich würde sonst rechtliche Schritte gegen sie einleiten. Die Dame legte beleidigt auf. Hinterher bekam ich einen Anruf, dass die Zeitung bei Verwandten wirklich meine Telefonnummer erfragt hatte, unter fadenscheinigen Argumenten, sie hätten eine wichtige Nachricht, die sie nur mir mitteilen dürften.
Vorsicht! Firmen vergeben meist die Gewinnspiele an andere Firmen (sogenannte Dritte),
die für sie dann Spiele durchführen. Das heißt, die Zeitungen bekommen gar nicht die Karten, sondern irgendwelche datensammelde Fremdfirmen. Diese Fremdfirmen speichern dann die Adressen, und was sie wirklich damit machen, weiß der Geier …
Versandhäuser verkaufen ebenfalls fleißig Daten.
Eines hat meinen Namen einmal falsch geschrieben, mit einem „f“ im Namen. Plötzlich kam der Schreibfehler nach einiger Zeit auch von anderen Firmen auf Werbeumschlägen, die gar nichts mit dem Konzern des Versandhauses zu tun hatten.
Jahre später bekam ich mit, dass eben diese Firmen genau wissen, wer im Vorfeld gewinnt und wer nicht.
Seitdem mache ich bei keinem Gewinnspiel mehr mit. Gut, wenn man Einblicke in den Zeitungs- und Buchmarkt hat durch Insider.
Wenn Sie sich nur ausrechnen, was man an Portokosten, Telefon etc., hat kommt in den seltensten Fällen das Geld wieder raus. Gut einige Menschen haben keinen anderen Lebensinhalt denen sei es gegönnt.
Oder haben Sie schon mal ein tolles multifunktionales Küchengerät gewonnen, das sich dann als Kartoffelschäler entpuppte? Oder vielleicht haben Sie etwas gewonnen das sonst eh nur ein Werbegeschenk ist, wie eine banale Tasse?
Ich für meinen Teil spare lieber, auf dass was ich haben will. Das bringt mir länger Freude an dem, was ich mir ersehne, und ich schätze es mehr Wert. Und wenn mir mal der Metzger eine Extrawurst in die Tüte packt, sag ich garantiert nicht Nein.
Anschließend folgte von mir eine Nachricht an die Bundesnetzagentur, die sich um das Ganze kümmerte. Mehr zu dem Thema finden Sie hier auf der Seite der Agentur.

Plus 1 für den tollen Artikel! Wie lange brauch man für so einen Artikel zu schreiben?
Hi Alex, kommt ganz drauf an, wie schnell man tippt, meist sind es aber nur Minuten.