25 Jahre Chaosreporter.de – ein Magazinporträt über eine fröhliche und beharrliche Beobachterin
Wenn Manuela heute mit ihrer Kamera durch München geht, wirkt es, als würde sie die Stadt nicht nur betrachten, sondern jeden Moment gerne in Wort und Bild festhalten. Seit 25 Jahren hält sie fest, was andere übersehen: Die Eröffnung eines Spielplatzes, große Baustellen, Spaziergänge in der Stadt, aber auch schräge Begegnungen und Veranstaltungen. Chaosreporter.de ist ihr Archiv des Alltags – ungeschliffen, unabhängig und mit einer sofort erkennbaren Handschrift.
Was 2001 als spontanes Experiment begann, ist heute ein buntes Magazin voller verschiedener Themen, teils zum Mitmachen. Ohne Redaktion, ohne PR-Strategie, aber mit Durchhaltevermögen und Lust am Schreiben.
Anlässlich des Jubiläums habe ich mit mir der Gründerin von Chaosreporter.de gesprochen.
Interview zum 25-jährigen Jubiläum
Manuela, 25 Jahre Chaosreporter.de. Wie fühlt man sich da?
Es fühlt sich ein bisschen surreal an. Einerseits denke ich: „War das nicht erst gestern, dass ich die Seite gestartet habe?” Andererseits sehe ich die Liste meiner Artikel und die Leser, die daran Freude haben. Es ist ein schönes Gefühl, etwas so lange begleitet zu haben. Zur Feier des Tages möchte ich in den nächsten Tagen eine Runde wandern gehen und den Tag mit einer leckeren Brotzeit beschließen.
Erinnerst du dich noch an den Anfang?
Sehr gut sogar! Das Internet war damals ein Experimentierfeld. Ich wollte einfach meine Fotos, Kunst, Gedichte und Reportagen zeigen, ohne einen konkreten Zukunftsplan zu haben. Ich habe damit begonnen, Spaziergänge zu dokumentieren, Verbrauchertipps bereitzustellen, kleine Reportagen zu schreiben und Kunst vorzustellen. Einen Artikel mit schönen Fotos hochzuladen, dauerte mehrere Minuten, eine Fotoschau oft bis zu einer Stunde. Heute geht alles mit einem Wimpernschlag. Dass daraus ein Vierteljahrhundert werden würde, hätte ich nie gedacht .
Hättest du damals gedacht, dass du so lange durchhältst?
Ganz ehrlich: Nein. Ich dachte, meine Website würde irgendwann im Netz unter Millionen von Websites aus Deutschland bzw. 1,1 Milliarden Websites weltweit verschwinden. Aber mir kamen immer wieder neue Ideen und ich erhielt viele liebe Zuschriften von meinen Lesern und interessierten Unternehmen.
Was waren deine verrücktesten Momente?
Es gab einige davon. Die Anfrage des Fernsehens für ein Interview zum Thema „plastikfreies Leben” war aber sicher eine der skurrilsten. Zunächst dachte ich, das sei ein Scherz. Doch plötzlich stand ein Kamerateam vor mir. Wir gingen für das Interview in den Pasinger Stadtpark, an einem wunderbar sonnigen Tag. Der Beitrag wurde auf AKF im Programmfenster von münchen.tv ausgestrahlt.
Ein weiterer besonderer Moment war, als aus meiner über fünf Jahre entstandenen Fotodokumentation, einer Sammlung von Baustellenfotos aus Pasings großem Umbau, schließlich eine echte Ausstellung wurde. Hier können Sie sie noch sehen.
Was hat dich all die Jahre motiviert?
Die Zuschriften meiner Leser und das Festhalten von Momenten für die Zukunft – denn wir wissen ja: Was einmal im Netz ist, wird nie vergessen.
Chaosreporter.de wirkt bewusst ungeschliffen und persönlich. Ist das ein Markenzeichen?
Ja, Chaosreporter.de soll persönlich bleiben, es soll ein Stück von mir sein. Aber ich möchte auch den Finger in die Wunde legen, wie bei den Themen „Wie viel Fernsehwerbung sieht man im Jahr?“ und „Wo kommt das Bastelholz her?“.
Welche Themen begleiten dich seit Anfang an?
In erster Linie geht es natürlich um Themen aus meinem München und Pasing, in dem ich lebe. Dazu kommen Ausflüge, Selbstversuche und Verbrauchertipps, aber auch Veranstaltungen, die ich besuche, mein Terminkalender und vieles mehr.
Was war dein größter Selbstversuch?
Der größte nicht, aber der längste war, als ich die gesamte Werbung eines Jahres sammelte, die ich über meinen Briefkasten erhielt. Ich sortierte alles, maß die Höhe jedes Monats mit dem Meterstab und wog das Ganze. Es war ein riesiger Berg von mehreren Kilo Gewicht, der ungewollt in meine Wohnung kam. Für mich war es interessant zu sehen, welche Firmen die Übeltäter waren und aus welchen Branchen sie kamen. Sogar ein Karton Suppenpulver kam ungewollt, von dem ich nichts wusste. Das Ganze wurde durch eine Bekannte angestoßen und wir hatten ein halbes Jahr lang Suppe. Mahlzeit!
Warum gibt es Chaosreporter.de nach 25 Jahren immer noch?
Es macht mir einfach Freude, neue Dinge zu erleben. Außerdem merke ich immer wieder, dass die Seite Menschen erreicht. Solange das so ist, werde ich weitermachen.

Und wie geht’s weiter?
Ich werde immer neugierig bleiben. Es wird neue Ausflüge, Wanderungen und Selbstversuche geben, ebenso wie neue Reportagen und Hinweise. Doch der Kern bleibt bestehen: authentisch, kostenlos, lokal und persönlich. Selbstverständlich werde ich für meine Leser weiterhin Pressegenehmigungen einholen und Presseanfragen für interessante Themen stellen.
Möchtest du deinen Leserinnen und Lesern noch etwas sagen?
Ja, mein ganz besonderer Dank gilt allen, die seit Jahren mitlesen, kommentieren, mir schreiben oder mir Hinweise geben. Chaosreporter.de bleibt kostenlos und unabhängig. Wer meine Arbeit unterstützen möchte, sei es durch Teilen, Liken oder eine kleine Spende, darf das gern tun. Aber das Wichtigste ist: Sie sind da. Und das macht dieses Projekt lebendig.
Fragen, die von den Leserinnen und Lesern gestellt wurden:
Wie bist du auf den Namen Chaosreporter gekommen?
Den Namen verpasste mir jemand vor fast 35 Jahren. Auf einem Kinderfasching war ich als „Rasender Reporter” unterwegs, mit einem Mikrofon aus einer Klorolle, Knüllpapier und einer Schnur als Kabelattrappe. Die Mädels sagten dann immer: „Du bist echt ein Chaot!” So wurde aus „Chaot” und „Reporter” der „Chaosreporter”.
Was macht dir am Chaosreporter am meisten Spaß?
Die Freiheit. Ich kann Themen aufgreifen, die mich interessieren, ganz ohne Vorgaben und Druck. So kann ich Orte besuchen und Menschen kennenlernen, die ich sonst nie treffen würde, wie damals auf der Messe in München oder auf einer Reptilienausstellung.
Wie reagieren andere auf den Chaosreporter?
Die Resonanz ist überraschend positiv. Einige Institutionen erlauben mir inzwischen, ihre Termine zu veröffentlichen, und die eine oder andere Zeitungsredaktion hat mich bereits kontaktiert. Das zeigt mir, dass meine Arbeit ernst genommen wird. Dabei maße ich mir nicht an, mich mit einem gelernten Journalisten gleichzusetzen. Ich bin eine Autorin und Künstlerin, die hier schreibt und auch nebenher Bücher veröffentlicht.
Schlusswort von Chaosreporter Manuela
25 Jahre Chaosreporter.de sind mehr als nur ein Jubiläum. Sie sind der Beweis, dass Leidenschaft, Beharrlichkeit und ein offener Blick für die kleinen Dinge eine eigene Form des Journalismus schaffen können. Zudem zeigt sich, dass Projekte, die von anderen im Vorhinein schlecht geredet werden, mit harter Arbeit zum Erfolg geführt werden können.
Chaosreporter.de bleibt ein Ort, an dem München nicht nur gezeigt, sondern erlebt wird – durch die Augen einer Frau, die seit einem Vierteljahrhundert so neugierig geblieben ist wie ein kleines Kind.
