Unsichtbare Behinderte

Menschen mit nichtsichtbaren Behinderungen sollten wir mehr wahrnehmen

Silikonstrohhalm und Knickstrohhalm aus Plastik welcher ist besser? (c) www.chaosreporter.de

Strohhalme werden für Behinderte benötigt (c) www.chaosreporter.de

In den Medien und Firmen, wird groß über Behinderte geschrieben, jdedoch geht es oft nur um Behinderungen, die sichtbar sind. Wie Amputationen, Rollstuhl, Blindenzeichen oder Blindenstock, klar sie sind sie doch nach außen am auffälligsten unter den Behinderungen.

Was fehlt, ist in der breiten Masse auch das Verständnis für Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen, da rede ich nicht nur von psychischen Erkrankungen, das kann auch ein schwerer Diabetes sein oder ein fehlendes inneres Organ, ein Stoma (künstlicher Darmausgang) oder Wirbelsäulenschäden. Auch diese Menschen verdienen Aufmerksamkeit.

Im Gegensatz zu Rollstuhlfahrern wird Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen, ohne das sie selbst auf sich aufmerksam machen, nicht geholfen.

Das sollte sich ändern!

Ein Beispiel, wo ich von mir selber rede, ich kann zum Beispiel die Türen unseres Einkaufszentrums Pasing Arcaden mit meinen Händen an schlechten Tagen nicht öffnen, da ich in beiden Händen eine Bewegungseinschränkung habe. Man sieht von außen nur, dass dort zwei kleine Narben sind, aber die Hände sind steifer und unbeweglicher als andere Hände, sie können auch nicht die Kraft aufwenden, um eine Glasflasche mit Limonade zu öffnen. Ein Grund, warum ich gegen ein Plastikverbot bin im Lebensmittelbereich. Nein, ich nutze dann den Behinderteneingang und die fitten Leute denken dann, die geht da durch, dann mach ich das auch. Warum gehe ich da durch, weil dort ein Taster ist und die Türe sich für mich von selbst öffnet. Mir sieht man von außen nicht die Behinderung an, manchmal gut manchmal schlecht gerade wenn man Hilfe benötigt.

Wie damals als ich einen Bus unseres öffentlichen Nahverkehrs MVG einsteigen wollte, ich bat den Fahrer mir zu helfen, doch dieser schloss lieber die Türe und sagte einfach „Nein, er müsse den Fahrplan einhalten“.

Oder wir Behinderte haben auch andere Probleme. Angefangen beim Essen, in bayrischen Lokalen, kann man kaum umbestellen oder Kinderteller bestellen als erwachsener, aber diese Möglichkeit bräuchten viele von uns oder mehr Toiletten und Abfalleimer. Mehr Infos zu öffentlichen Orten.

Wo ich mich rührte war als eine Schule für Erwachsenenbildung wollte die Onlinekurse einstellen nach Corona, ich schrieb dorthin, dass ich die Kurse weiter möchte, da ich durch meine Behinderung nicht mehr vor Ort im Klassenzimmer teilnehmen kann. So können viel mehr Teilhaben als vor Corona und ich auch weiter Kurse genießen.

Ein weiteres Ärgernis sind Museen und Ausflugsziele, die ihre Eintrittskarten mit Behindertenermäßigungen oft nicht an Ticketshops weiter melden. So vor einiger Zeit passiert im Ticketshop von München Ticket. Man fährt extra zum Ticketshop und erhält dann keine Karte, weil Behinderte nur vor Ort ein Ticket bekommen. Das ist sehr ärgerlich, so kann man auch kein Ticket vorkaufen, ausdrucken und einer Freundin zum Geburtstag schenken, des Weiteren gibt es zu wenig Bezahloptionen, nicht jeder verfügt über eine Kreditkarte oder Klarna.

Behinderung sollte etwas Normales sein im Leben, statt Behinderte zu achten, wird oft nur geschimpft von Gesünderen. Derweilen sollten gerade die sich mal in uns hineinversetzen, wie das ist, sich nicht in der Trambahn festhalten zu können wie ich oder nicht ohne Hilfe Fenster putzen zu können oder andere Dinge machen, die für sie normal und alltäglich sind.

Einige wenige achten uns, die meisten geben nur vor, uns zu achten. Gerade in den Sozialen Medien ist viel der „Like-Button“ gedrückt, im realen Leben eher nicht.

Eine Szene erlebte ich 2019 in einer Münchner Trambahn. Eine ältere Dame kam in die Tram, und ein junger Mann. Der Mann humpelte und setzte sich auf einen Sitz und obwohl mehrere Plätze frei waren, pöbelte die Ü80 Dame den jungen Mann an. „Er möge doch aufstehen und hätte keinen Respekt vor dem Alter“. Der junge Mann zeigte seinen Schwerbehindertenausweis, dass er gehbehindert ist und ein Anrecht hat zu sitzen. Die ältere Dame benutzte dann Schimpfwörter für ihn, die ich nicht wiederholen möchte und in die Zeit von 1944 fallen könnten. Sie hetzte dann in der Straßenbahn weitere ältere Menschen auf, anstatt sich einen Platz weiter vorne zu nehmen. Nun schimpften mehrere ältere Menschen auf den jungen Mann ein. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Ebenso ging ich in der Kaflerstraße in Pasing den Fußgängerweg entlang, von hinten klingelte ein Radfahrer und beschimpfte mich: „He, Blinde Kuh, Krüppel geh aus dem Weg, die ist ja nicht nur blind, sondern auch taub.“ Ich hörte ihn wohl und blieb dann aus Protest auf der Stelle stehen, dass er vom Rad absteigen musste, da mir just in dem Moment einfiel, ich muss auf mein Handydisplay sehen mitten vor dem Fußgängerüberweg ohne Radweg.

Auch in der Arbeit kommen wir kaum vor, mir ist eine Firma bekannt, die lieber Strafe zahlt, als weitere Behinderte einzustellen, und das alte behinderte Personal rausekelt und beschimpft.

Inklusion ist nur ein Märchen!

Tipp: Reden Sie mit den Menschen, warum jemand etwas nicht kann und helfen Sie, wenn Sie körperlich in der Lage sind. Viele trauen sich oft nichts zu sagen. Sie vereinsamen oder plagen sich ohne Ende. Bloggen Sie oder schreiben Sie Artikel über uns, machen Sie Comedynummern über uns, wir sind auch hier. Danke!

 

 

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