München mit anderen Augen sehen

Fotografien von Marx Cristof Welser und Walter Korn

Wie ein italienischer Sommer war es am Donnerstag bei der Vernissage zur Ausstellung „Stadt-Tand-Fluss“. Damen fächerten sich in ihren Kleidern Luft zu und die Bilder von Marx Cristof Welser und Walter Korn erfrischten den Geist.

Fotografien des Fotografen Marx Cristof Welser

Fotografien des Fotografen Marx Cristof Welser im Valentin-Karlstadt-Musäum

Die beiden Fotografen haben ihre ganz eigene Sicht auf Flohmärkte, Plätze und Orte in München. Wir sehen nicht die bekannten Motive wie Dom, Nymphenburg oder Englischen Garten die schon jeder Münchner zum x-ten Mal gesehen hat, sondern es sind die feinen, kleinen Motive. Die Bilder sind ausdrucksstark, sie lenken den Blick in Richtung Alltag – auf das, was neben uns oder um uns passiert. Eine Taube, die an einem Fladenbrot nascht oder eine Puppe namens Eva die auf dem Flohmarkt, die einen Gummistiefel trägt. So ist München, es lebt! Keine Postkartenmotive kein Schickimicki, kein Glorifizieren. Die Bilder zeigen ein Du, ein Ich, ein Wir in der Stadt. Die beiden Fotografen öffnen uns die Augen, um im Alltag mehr um uns zu schauen oder die Stadt aus einer anderen Sicht wahrzunehmen.

Ich hatte das große Glück, an diesem Abend einen der Fotokünstler zu interviewen: Marx Cristof Welser, geboren 1971 in München – ein Streetart-Fotograf, der nun in seiner dritten Ausstellung in der Stadt München für Begeisterung sorgt.

Marx Cristof Welser (c) Foto: Susanne von Lieven - Jell

Marx Cristof Welser (c) Foto: Susanne von Lieven – Jell

Marx Christof Welser fotografiert aktiv, seit die Digitale Fotografie den Kinderschuhen entwachsen ist, seit die Bilder von guter Qualität sind und man sich nicht mehr mit wenigen Pixeln oder einem schlechten Entwicklungslabor zufrieden geben muss. Er liebt die Streetart-Fotografie, die der Schwerpunkt seines Wirkens ist, aber auch den Minimalismus. Welser sagte: „Hier ist das wichtigste: Der Moment, in dem du abdrückst. Kein Motiv wiederholt sich, es gibt keine zweite Chance. Du konservierst den Moment, in dem man Geschichten konserviert und Emotionen festhalten kann.“

Lieblingsmotive hat der Künstler Marx Cristof Welser nicht, er sagt: „Die Motive wechseln – ob Eisbachlady, die ihm als Motiv besonders ans Herz gewachsen ist oder die Surfer in der Eisbachwelle. Heute ist es das Motiv, morgen eine anders.“

Fotografie ist seine Welt, die ihn und seine Besucher begeistert

„Wie fühlen Sie sich, dass Sie im berühmten Valentin-Karlstadt-Musäum im Münchner Isartor ausstellen dürfen?“, frage ich ihn. Welser strahlt: „Ich fühle mich geehrt und habe es Walter Korn zu verdanken, dass ich hier ausstellen darf, es ist einfach fantastisch.“

Isartor Turm 2 des Valentin-Karlstadt-Musäum

Ausstellungsort Isartor Turm 2 des Valentin-Karlstadt-Musäum

Bei der Eröffnung der Ausstellung wurde viel über die Stadt München geredet. Herr Christian Ude erwähnte in seiner Rede auch die vielen München Bücher auf dem Markt und die Münchner Ausstellungen, die es gibt.

Meine nächste Frage: „Wie nehmen Sie München wahr, was empfinden Sie für ihre Heimatstadt?“ Welser antwortet nachdenklich: „München ist meine Heimatstadt, die ich sehr liebe. Ich merke immer mehr Veränderungen in der Stadt, wie rücksichtslose Gentrifizierung in meinem Stadtviertel Schwabing. Immer mehr Handwerker, Ärzte und Läden verschwinden, immer mehr Leerstand macht mich traurig. Aber ich werde in meinem Schwabing bleiben, damit nicht noch mehr typisches München verschwindet. München ist ein tolles Drehkreuz der Kulturen, ein Miteinander. Die Natur, die großen Parks, der Isar bieten eine unglaubliche Freizügigkeit, die man nirgendwo anders findet.“

„Herr Welser, wenn ich Sie so betrachte: Sind sie stolz auf „ihr“ München, haben Sie Wünsche an ihre Stadt?“, frage ich. Herr Welser ernst: „Mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Ausbau der Verkehrsmittel und dass jeder, der in München lebt, auch alt werden kann und nicht im Alter wegziehen muss, nur damit er billiger wohnen kann. Die große Internationalität wünsche ich mir und  dass sie erhalten bleibt, die Weltoffenheit, der Charme.“

Ich merke, München liegt Herrn Welser sehr am Herzen, er brennt für diese Stadt. Das spiegelt sich auch in seinen Motiven wieder – der Humor, die Verletzlichkeit, aber auch der Moment in dem ein Motiv entsteht.

Die Ausstellung Stadt-Tand-Fluss läuft noch bis zum 16. Oktober im Valentin-Karlstadt-Musäum. Ich kann Sie Ihnen, liebe Leser, nur wärmstens ans Herz legen. Erleben sie München neu, so wie es noch niemand zuvor gesehen hat. Die Besucher vor Ort waren begeistert.

Infos zur Sonderausstellung und Öffnungszeiten

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Chaosreporter Manuela Merl

 

 

 

 

 

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